Tilo

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Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Ich habe früher sehr viel fotografiert, tat dies allerdings nie unter ästhetischen Gesichtspunkten. Ich wollte einfach Momente festhalten und war Anfang der 2000er Jahre mit meiner Kompaktkamera ein einfacher Partyknipser. Je häufiger Menschen Smartphones hatten und je mehr Leute die Momente aus ihrer Sicht festhielten, desto weniger Bilder machte ich; spätestens mit der Verbreitung von Facebook war ich nicht mehr der einzige, der die Momente festhielt und meine Dienste als Protokollant waren nicht mehr so wichtig.

Dies änderte sich Ende 2014 mit der Ausstellung #meinulm. Bis dahin habe ich Instagram nicht so richtig verstanden, aber hier wurde mir gezeigt, welche beeindruckende Möglichkeiten sich daraus ergeben: Jeder hatte die Möglichkeit durch die einfache Verwendung eines einziges Hashtags Bilder einzureichen. Die Teilnehmer zeigten alltägliche Dinge von Orten meiner Heimatstadt Ulm, an denen ich zum Teil schon dutzendfach vorbei lief, ohne ihnen Beachtung zu schenken. Davon inspiriert fing ich an, Instagram intensiver zu nutzen. Geprägt von der Ausstellung und der thematischen Beschränkung zur Darstellung eines Ortes sowie meine jahrelange Nutzung des geobasierten Dienstes Swarm (ehemals Foursquare) war es meine Regel, an jedem interessanten Ort genau ein Bild zu machen. Als sich die #meinulm-Ausstellung ein Jahr darauf wiederholte, waren bereits drei meiner Bilder in der Vernissage ausgestellt

Im Sommer 2015 habe ich sehr viele Reisen unternommen und viele davon führten mich zusammen mit meinem Blogpartner Boris quer durch Europa. Boris hat mich wieder beeindruckt: Wir liefen die gleichen Wege und Gassen entlang und wir hatten beide die identischen Möglichkeiten Dinge zu sehen, aber dennoch zeigte er mir am Ende einer jeden Reise immer wieder Bilder von Situationen, die er festhielt und von denen ich kaum glauben konnte, dass ich nichtsahend vorbeilief. Am Ende meines Reisesommers hat Boris mich dann so inspiriert, dass ich besseres Equipment wollte: Für den Anfang sollte es ein Smartphone mit vernünftiger Kamera sein um zu erfahren, ob die Fotografie als Hobby etwas für mich ist. Die neuen Möglichkeiten haben mich dabei so begeistert, dass ich weiter an diesem Hobby festhalten möchte, aber vom nächsten logischen Schritt, eine vernünftige Kamera zu kaufen, abgesehen habe. Zu groß wiegen für mich die Vorteile, das Gerät immer dabei zu haben und jederzeit auch spontan loszuknipsen.

Was bedeutet das Projekt für dich?

Mir gefällt der Gedanke von klaren Strukturen und Regeln, die ein so ausuferndes Fach wie die Fotografie in kontrollierbare Bahnen lenkt, ohne dabei die Kreativität zu ersticken. Ich stecke in diesem Thema noch in den Kinderschuhen und ziel- und wahllos loszulegen und einfach alles zu fotografieren, birgt für mich ein großes Frustrationspotenzial. Mit Boris einen Mentor an meiner Seite zu haben ehrt mich, denn er ist es, der mich an das Thema herangeführt hat und von dem ich sehr viel lernen will. Unser Projekt zweisichtig.de gibt mir die Möglichkeit, über eine lange Distanz denselben Pfad wie Boris zu beschreiten und wir können uns gegenseitig inspirieren.

Was erwartest du vom Projekt?

Ein Blick in meinen Instagram-Account zeigt, dass sich die meisten meiner Bilder in den vergangenen Monaten stark verbessert haben. Durch die Auflage, mir täglich Gedanken zu sich ständig ändernden Themen zu machen wird die Qualität nochmal um ein Vielfaches steigern – so zumindest meine Hoffnung. Dass es anstrengend und nervraubend sein kann, ist mir bereits zu Anfang des Projekts bewusst. Aber ich möchte am am Ende des Jahres voller Stolz auf 366 Bilder blicken und mit jedem dieser Bilder etwas verbinden; insofern schließt sich an dieser Stelle sicherlich auch der Kreis zu meinen Anfängen, als ich das erste mal eine Kamera in Händen hielt.

Kontakt: tilo@zweisichtig.de

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